Rastanlage Moselblick Bernkastel-Kues
ArGe SCHOYERER ARCHITEKTEN_SYRA und BIERBAUM.AICHELE.landschaftsarchitekten
Gedanken
Der Fluss durchzieht die lieblich-schroffe Mosellandschaft und teilt sie in das Hier und Dort.
Brücken halten die Seiten zusammen. Kleine unscheinbare und große mächtige haben dieselbe Aufgabe: Verbinden und Zusammenhalten. Einige überquert man schnell, andere hingegen langsam. Die zukünftig mächtigste unter ihnen ist die Hochmoselbrücke. Sie überquert man sehr schnell. Somit wird sie zum Inbegriff für die funktionale und rationale Geradlinigkeit des Denkens.
In der theoretischen Physik gibt es im kosmischen Maßstab einen Zusammenhang zwischen Raum und Zeit: Massen krümmen die Raumzeit, und die Geometrie der Raumzeit gibt den Massen vor, wie sie sich zueinander bewegen müssen. Auf den Menschen und sein Erleben seiner Umwelt bezogen kann man das herunterbrechen auf einen Ausgleich durch Gegensätze. Schnell und Langsam, Beschleunigung und Entschleunigung.
Wege verlaufen linear, fast höhengleich entlang der Moselhänge. Wie Höhenschichtlinien gliedern sie die Topographie und gestalten den Landschaftsraum gleich einem riesigen Modell. Durch die Verjüngung der Wege bergauf wird die physische Dynamik der Höhen vom Tal bis zur Höhe sicht- und erlebbar.
Bei der Höhenstaffelung der Weglinien nimmt deren Führung immer mehr einen radialen Verlauf an. Der oberste Weg, der schon fast in kreisförmigem Verlauf das Plateau umfährt, strebt nach mehr.
Es ist der Weg der weiter in die Höhe will. Langsam und leise will er gegangen werden in einer Art von Prozess oder Prozession und dabei die Ruhe erleben. Er löst sich von der Landschaft und wird zu einem Höhenweg.
Entwurfsumsetzung
Aussichtsskulptur Höhenweg
An der südlichen Hangkante des Rachtinger Plateaus löst sich ein kreisförmiger Weg mit ca. 70 m Durchmesser und einer Gesamtlänge von 300 Metern aus der Landschaft. Durch seine bis zu zwei Drittel und ca. 50 m über die Hangseite auskragende Lage wird das Hinaufschreiten zum spektakulären Spiel mit der Höhe und der Landschaft. Am Ende des Weges angekommen erwartet den Besucher eine großzügige Aussichtsebene. Diese bricht abrupt den kreisförmigen Verlauf des Weges. Als richtungsweisende Geste, gleich eines zeigenden Fingers, wird der Blick des „Gehenden“ gezielt auf die einzigartige Schönheit der Landschaft gelenkt. Die ca. 3 m über dem Plateau und ca. 7 m über dem Hang schwebenden Aussichtskanzel wird alleine über die nahezu gefällelose Wegelänge (ca. 1 %) erreicht. Das Hinaufschreiten geschieht mit Ruhe und bietet Raum für das Erleben und das Fließen der Gedanken. Selbst dem stark motorisch eingeschränkten Besucher wird die Möglichkeit geboten, die Kanzel zu erreichen. Hier lädt ein großzügiges Sitzelement, das zu allen Seiten den Ausblick ermöglicht, zum ruhenden Erleben ein. Die aufgeständerte Skulptur lässt die Landschaft unter sich hindurchfließen. Der dortige Landschaftstyp der Besenginsterheide kann dadurch geschützt werden und sich weiterentwickeln. Ebenso kann der Niederwald, der das Planungsgebiet derzeit noch scharf abgrenzt, sich durch gezielte Ausweisung von Entwicklungsflächen in den nördlichen Bereich ausdehnen und mit der Besenginsterheide verzahnen.
Erschließung
Die motorisierte Erschließung der Rastanlage erfolgt in Verlängerung des bestehenden Anschlusses des Zubringers zur B53. Von hier aus gelangt der Besucher fußläufig zum Plateau. Weitere fußläufige Erschließungen erfolgen von den Weinbergen über Wegepfade sowie vom östlichen Freizeitgelände zum Plateau bzw. zur Skulptur.
Parkplatz
Der Parkplatz, ist für ca. 50 PKW und ca. 10 Reisebusse ausgelegt. An seinem nördlichen Ende auf einer etwaigen Höhe von 270 m ü. NN befindet sich die Rastanlage. Dieser Bereich wird als keilförmiger Einschnitt in die Topographie behutsam eingefügt. Einem durchschnittenem Felsrelief gleich, fassen lagerhafte Schiefermauern, größtenteils als dosierte Trockenmauern ausgebildet, das seitliche Gelände. Der südliche Geländeeinschnitt (Schiefermauer) erreicht in Höhe der Rastanlage seine maximale Höhe von ca. 3 m gegenüber dem südlich angrenzendem Gelände. An dieser Stelle sind die erforderlichen Anlagen der Rastanlage (WC, Wickelraum, Cafebox etc.) in das Gelände hineingeschoben, somit in den Hang integriert. Diesem Bereich ist ein großzügiger Vorplatz zugeordnet, der auch bei starker Frequentierung des Ortes Entwicklungen u.B. als Sommercafé etc. zulässt.
Durch keilförmigen Geländeeinschnitt und die beidseitige Fassung der Topographie durch Schiefertrockenmauern, entsteht eine Visur der Landschaft hin zum Plateau. Verstärkt wird der Effekt durch das auf sich Zulaufen der beiden Mauern um am Ende im Gelände zu verschwinden. Zwischen beiden Mauerscheiben zieht ein sich perspektivisch verjüngender Landschaftskorridor zum Plateau. Der Besuch wird förmlich angezogen den „Landschaftsweg“ zu durchschreiten. Die Neigung des Weges beträgt ca. 5 Prozent sodass auch hier motorisch eingeschränkte Besucher die ca. 6 m höher gelegene Ebene erreichen können. Von hier aus erstreckt sich dem Betrachter der uneingeschränkte Blick auf die monumentale Wegeskulptur vor dem Hintergrund der Moselhöhen.
Freizeitanlage
Die Freizeitanlage erstreckt sich auf einer Gesamtfläche von ca. 13.000 m2 am östlichen Rand des Planungsgebietes. Sie ist in zwei Ebenen von ca. 2 m Höhenunterschied modelliert. Somit lassen sich parallel zueinander multifunktionale Aktivitäten (Spiel, Sport, Zelten, Veranstaltungen etc.) treiben ohne sich gegenseitig zu beeinträchtigen. Eine Schutz- und Grillhütte geben als ein Ensemble auch einer größeren Personenmenge bei schlechter Witterung ein Dach über dem Kopf. Nördlich dieses Bereiches wird analog der Rastanlage durch keilförmige Schiefertrockenmauern das Gelände räumlich gefasst und abgefangen. An der höchsten Stelle sind auch hier wieder 2 WC Anlagen unter das Gelände in den Hang integriert. Der Bereich der Freizeitanlage wird im Norden durch den geplanten Pflegeweg begrenzt. An diesem ordnen sich auch die zum Gelände gehörigen PKW Stellplätze (ca. 20 St.). Der Pflegeweg wird an der nördlichen Planungsgrenze weitergeführt und über den Parkplatz der Rastanlage an den Zubringer zur B53 angeschlossen.
Das gesamte Plateau bleibt somit einzig und allein dem fußläufigen Besucher vorbehalten.
Konstruktion der ringförmigen Stegkonstruktion
Wie beschrieben, entwickelt sich der Weg entlang der Höhenschichtlinien bis er im Bereich des Plateaus in eine ringförmige Stegkonstruktion übergeht. Das erste Fünftel dieses Ring-Stegs besteht noch aus einem mit Schiefertrockenmauern gefassten Sockel – hier geht die Topografie in das stählerne Stegbauwerk über.
Der Steg ruht auf einem Stützenkranz entlang einer sich verjüngenden inneren Kreislinie. Ca. alle 3 m vermittelt eine Stahlstütze aus Quadratrohr zwischen dem Gelände und der sanften Rampenneigung (ca. 1%) des Stegs. Aufgrund der besonderen Lage am Übergang zwischen Plateau und abfallendem Gelände scheint die Ringfigur mit zunehmender Höhe an Dynamik zu gewinnen, bis dann am Hochpunkt abrupt ein radialer, d.h. 90 Grad-Schwenk als Aussichtsterrasse eintritt. Dieser markante Richtungswechsel dient im konstruktiven Sinne dazu, das Spindelende mit den Stützen des äußeren Rings zu verbinden und das ganze System auszusteifen.
Alle Stahlbauteile inklusive der Brüstungsverkleidungen bestehen aus Corten-Stahl-Elementen, als Gehfläche dient ein enger Gitterrost.
Konstruktion der Bauwerke Grillhütte, Schutzhütte, WC-Anlage
Die genannten Nutzungen bilden auf einer quadratischen Grundfläche ein Ensemble aus zwei Einzelhäusern und einer waagrechten Plattform, welche sich an den Rändern sanft in das Gefälle einsetzt, d.h. an den Rändern gibt es höhengleiche Übergänge oder ein bis drei Stufen auf- oder abwärts.
Die Grundfläche dieser kleinen Plattform besteht aus Schiefermaterial und die Bauwerke sind aus einem anthrazitfarbig lasiertem Holz-Ständerwerk konstruiert, die Dächer mit Bitumenbahnen abgedichtet.
CONCEPTUAL APPROACH
The river flows through the gently rugged Moselle landscape, dividing it into “here” and “there.”
Bridges connect these sides. Whether small and unobtrusive or large and monumental, they share the same purpose: to link and to hold together. Some are crossed quickly, others slowly. The most monumental of them will be the Hochmosel Bridge—crossed at high speed—thus becoming a symbol of functional and rational linear thinking.
In theoretical physics, there is a relationship between space and time: mass curves spacetime, and the geometry of spacetime determines how masses move relative to one another. Applied to human perception, this can be understood as a balance of opposites—fast and slow, acceleration and deceleration.
Paths run almost level along the slopes of the Moselle, like contour lines shaping the landscape as if it were a large-scale model. As the paths ascend, they narrow, making the physical dynamics from valley to plateau perceptible.
At higher elevations, the paths increasingly take on a radial configuration. The uppermost path, nearly circular in its course, strives upward. It is a path to be walked slowly and quietly—almost like a procession—offering moments of reflection. It detaches itself from the terrain and becomes an elevated path.
DESIGN IMPLEMENTATION
VIEWING SCULPTURE – ELEVATED PATH
At the southern edge of the Rachtig plateau, a circular path with a diameter of approx. 70 meters and a total length of 300 meters emerges from the landscape. Extending up to two-thirds of its length and cantilevering approx. 50 meters over the slope, it creates a dramatic spatial experience.
At the end of the path, visitors reach a generous viewing platform. This platform interrupts the circular movement, acting like a pointing gesture that directs the gaze toward the unique beauty of the landscape.
The viewing terrace—hovering approx. 3 meters above the plateau and 7 meters above the slope—is reached via a nearly level path (approx. 1% gradient). The ascent is calm and meditative, offering space for reflection. Even visitors with limited mobility can access the platform. A large seating element invites rest and panoramic viewing in all directions.
The elevated structure allows the landscape to flow beneath it, preserving and supporting the development of the native broom heath. At the same time, the adjacent woodland can expand northward and integrate with this habitat.
ACCESS
Vehicular access to the rest area is provided via an extension of the existing connection to the B53 feeder road. From there, visitors continue on foot to the plateau. Additional pedestrian access routes lead from the vineyards and from the eastern recreational area.
PARKING
The parking area accommodates approx. 50 cars and 10 coaches. At its northern end, at approx. 270 m above sea level, lies the rest area itself.
This space is carefully integrated into the terrain as a wedge-shaped incision. Slate retaining walls—partly constructed as dry-stone walls—define and stabilize the edges. At the southern side, the terrain cut reaches a height of approx. 3 meters.
Facilities such as restrooms, baby-changing rooms, and a café box are embedded into the slope. A generous forecourt allows flexible use, even under high visitor frequency (e.g. as a summer café).
The converging geometry of the slate walls creates a visual corridor guiding visitors toward the plateau. The narrowing perspective draws visitors inward along a “landscape path.” With a gradient of approx. 5%, the path remains accessible for mobility-impaired users.
RECREATIONAL AREA
The recreational zone extends over approx. 13,000 m² at the eastern edge of the site. It is organized into two levels with a height difference of approx. 2 meters, allowing simultaneous activities (play, sports, camping, events) without conflict.
A shelter and barbecue pavilion provide protection for larger groups. Similar to the rest area, wedge-shaped slate walls define and stabilize the terrain. Restroom facilities are integrated into the slope at the highest point.
Parking for approx. 20 vehicles is located along a service road at the northern boundary. The entire plateau remains exclusively pedestrian.
STRUCTURE OF THE RING WALKWAY
The path evolves from contour-aligned routes into a circular elevated walkway. The first fifth of the ring remains grounded in the terrain with slate retaining walls, transitioning into a steel structure.
The walkway is supported by a ring of columns along an inner circular line. Steel columns spaced approx. every 3 meters connect the terrain with the gently sloping ramp (approx. 1%).
As the structure rises above the slope, its dynamic presence increases. At its highest point, the path abruptly turns outward at a 90-degree angle to form the viewing platform. This directional shift also serves a structural purpose, connecting inner and outer support systems and stabilizing the structure.
All steel components, including balustrades, are made of Corten steel. The walking surface consists of closely spaced steel grating.
CONSTRUCTION OF ANCILLARY STRUCTURES
The barbecue shelter, protective pavilion, and restroom facilities form an ensemble of two buildings and a shared platform on a square footprint.
The platform integrates seamlessly into the terrain, with level transitions or minimal steps at the edges. It is surfaced with slate, while the structures are built using timber frames finished in anthracite stain, with bitumen roofing.
This design combines landscape, movement, and architecture into a cohesive spatial experience—balancing motion and stillness while enhancing accessibility and preserving the natural environment.
Wettbewerbe
| 2017 | Shortlist / Landmark - Wettbewerb |








