Rastanlage Moselblick Bernkastel-Kues

Nutzungsart
Barrierefreiheit
Infrastruktur
Städtebau, Urbanität & Landmarks
Projektzeitraum
2017
Typus
Neubau
Status
Wettbewerb/Wbw
Phase
1-2

ArGe SYRA_SCHOYERER ARCHITEKTEN und BIERBAUM.AICHELE.landschaftsarchitekten

Gedanken

Der Fluss durchzieht die lieblich-schroffe Mosellandschaft und teilt sie in das Hier und Dort.

Brücken halten die Seiten zusammen. Kleine unscheinbare und große mächtige haben dieselbe Aufgabe: Verbinden und Zusammenhalten. Einige überquert man schnell, andere hingegen langsam. Die zukünftig mächtigste unter ihnen ist die Hochmoselbrücke. Sie überquert man sehr schnell. Somit wird sie zum Inbegriff für die funktionale und rationale Geradlinigkeit des Denkens.

In der theoretischen Physik gibt es im kosmischen Maßstab einen Zusammenhang zwischen Raum und Zeit: Massen krümmen die Raumzeit, und die Geometrie der Raumzeit gibt den Massen vor, wie sie sich zueinander bewegen müssen. Auf den Menschen und sein Erleben seiner Umwelt bezogen kann man das herunterbrechen auf einen Ausgleich durch Gegensätze. Schnell und Langsam, Beschleunigung und Entschleunigung.

Wege verlaufen linear, fast höhengleich entlang der Moselhänge. Wie Höhenschichtlinien gliedern sie die Topographie und gestalten den Landschaftsraum gleich einem riesigen Modell. Durch die Verjüngung der Wege bergauf wird die physische Dynamik der Höhen vom Tal bis zur Höhe sicht- und erlebbar.

Bei der Höhenstaffelung der Weglinien nimmt deren Führung immer mehr einen radialen Verlauf an. Der oberste Weg, der schon fast in kreisförmigem Verlauf das Plateau umfährt, strebt nach mehr.

Es ist der Weg der weiter in die Höhe will. Langsam und leise will er gegangen werden in einer Art von Prozess oder Prozession und dabei die Ruhe erleben. Er löst sich von der Landschaft und wird zu einem Höhenweg.

Entwurfsumsetzung

Aussichtsskulptur Höhenweg

An der südlichen Hangkante des Rachtinger Plateaus löst sich ein kreisförmiger Weg mit ca. 70 m Durchmesser und einer Gesamtlänge von 300 Metern aus der Landschaft. Durch seine bis zu zwei Drittel und ca. 50 m über die Hangseite auskragende Lage wird das Hinaufschreiten zum spektakulären Spiel mit der Höhe und der Landschaft. Am Ende des Weges angekommen erwartet den Besucher eine großzügige Aussichtsebene. Diese bricht abrupt den kreisförmigen Verlauf des Weges. Als richtungsweisende Geste, gleich eines zeigenden Fingers, wird der Blick des „Gehenden“ gezielt auf die einzigartige Schönheit der Landschaft gelenkt. Die ca. 3 m über dem Plateau und ca. 7 m über dem Hang schwebenden Aussichtskanzel wird alleine über die nahezu gefällelose Wegelänge (ca. 1 %) erreicht. Das Hinaufschreiten geschieht mit Ruhe und bietet Raum für das Erleben und das Fließen der Gedanken. Selbst dem stark motorisch eingeschränkten Besucher wird die Möglichkeit geboten, die Kanzel zu erreichen. Hier lädt ein großzügiges Sitzelement, das zu allen Seiten den Ausblick ermöglicht, zum ruhenden Erleben ein. Die aufgeständerte Skulptur lässt die Landschaft unter sich hindurchfließen. Der dortige Landschaftstyp der Besenginsterheide kann dadurch geschützt werden und sich weiterentwickeln. Ebenso kann der Niederwald, der das Planungsgebiet derzeit noch scharf abgrenzt, sich durch gezielte Ausweisung von Entwicklungsflächen in den nördlichen Bereich ausdehnen und mit der Besenginsterheide verzahnen.

Erschließung

Die motorisierte Erschließung der Rastanlage erfolgt in Verlängerung des bestehenden Anschlusses des Zubringers zur B53. Von hier aus gelangt der Besucher fußläufig zum Plateau. Weitere fußläufige Erschließungen erfolgen von den Weinbergen über Wegepfade sowie vom östlichen Freizeitgelände zum Plateau bzw. zur Skulptur.

Parkplatz

Der Parkplatz, ist für ca. 50 PKW und ca. 10 Reisebusse ausgelegt. An seinem nördlichen Ende auf einer etwaigen Höhe von 270 m ü. NN befindet sich die Rastanlage. Dieser Bereich wird als keilförmiger Einschnitt in die Topographie behutsam eingefügt. Einem durchschnittenem Felsrelief gleich, fassen lagerhafte Schiefermauern, größtenteils als dosierte Trockenmauern ausgebildet, das seitliche Gelände. Der südliche Geländeeinschnitt (Schiefermauer) erreicht in Höhe der Rastanlage seine maximale Höhe von ca. 3 m gegenüber dem südlich angrenzendem Gelände. An dieser Stelle sind die erforderlichen Anlagen der Rastanlage (WC, Wickelraum, Cafebox etc.) in das Gelände hineingeschoben, somit in den Hang integriert. Diesem Bereich ist ein großzügiger Vorplatz zugeordnet, der auch bei starker Frequentierung des Ortes Entwicklungen u.B. als Sommercafé etc. zulässt.

Durch keilförmigen Geländeeinschnitt und die beidseitige Fassung der Topographie durch Schiefertrockenmauern, entsteht eine Visur der Landschaft hin zum Plateau. Verstärkt wird der Effekt durch das auf sich Zulaufen der beiden Mauern um am Ende im Gelände zu verschwinden. Zwischen beiden Mauerscheiben zieht ein sich perspektivisch verjüngender Landschaftskorridor zum Plateau. Der Besuch wird förmlich angezogen den „Landschaftsweg“ zu durchschreiten. Die Neigung des Weges beträgt ca. 5 Prozent sodass auch hier motorisch eingeschränkte Besucher die ca. 6 m höher gelegene Ebene erreichen können. Von hier aus erstreckt sich dem Betrachter der uneingeschränkte Blick auf die monumentale Wegeskulptur vor dem Hintergrund der Moselhöhen.

Freizeitanlage

Die Freizeitanlage erstreckt sich auf einer Gesamtfläche von ca. 13.000 m2 am östlichen Rand des Planungsgebietes. Sie ist in zwei Ebenen von ca. 2 m Höhenunterschied modelliert. Somit lassen sich parallel zueinander multifunktionale Aktivitäten (Spiel, Sport, Zelten, Veranstaltungen etc.) treiben ohne sich gegenseitig zu beeinträchtigen. Eine Schutz- und Grillhütte geben als ein Ensemble auch einer größeren Personenmenge bei schlechter Witterung ein Dach über dem Kopf. Nördlich dieses Bereiches wird analog der Rastanlage durch keilförmige Schiefertrockenmauern das Gelände räumlich gefasst und abgefangen. An der höchsten Stelle sind auch hier wieder 2 WC Anlagen unter das Gelände in den Hang integriert. Der Bereich der Freizeitanlage wird im Norden durch den geplanten Pflegeweg begrenzt. An diesem ordnen sich auch die zum Gelände gehörigen PKW Stellplätze (ca. 20 St.). Der Pflegeweg wird an der nördlichen Planungsgrenze weitergeführt und über den Parkplatz der Rastanlage an den Zubringer zur B53 angeschlossen.

Das gesamte Plateau bleibt somit einzig und allein dem fußläufigen Besucher vorbehalten.

Konstruktion der ringförmigen Stegkonstruktion

Wie beschrieben, entwickelt sich der Weg entlang der Höhenschichtlinien bis er im Bereich des Plateaus in eine ringförmige Stegkonstruktion übergeht. Das erste Fünftel dieses Ring-Stegs besteht  noch aus einem mit Schiefertrockenmauern gefassten Sockel – hier geht die Topografie in das stählerne Stegbauwerk über.

Der Steg ruht auf einem Stützenkranz entlang einer sich verjüngenden inneren Kreislinie. Ca. alle 3 m vermittelt eine Stahlstütze aus Quadratrohr zwischen dem Gelände und der sanften Rampenneigung (ca. 1%) des Stegs. Aufgrund der besonderen Lage am Übergang zwischen Plateau und abfallendem Gelände scheint die Ringfigur mit zunehmender Höhe an Dynamik zu gewinnen, bis dann am Hochpunkt abrupt ein radialer, d.h. 90 Grad-Schwenk als Aussichtsterrasse eintritt. Dieser markante Richtungswechsel dient im konstruktiven Sinne dazu, das Spindelende mit den Stützen des äußeren Rings zu verbinden und das ganze System auszusteifen.

Alle Stahlbauteile inklusive der Brüstungsverkleidungen bestehen aus Corten-Stahl-Elementen, als Gehfläche dient ein enger Gitterrost.

Konstruktion der Bauwerke Grillhütte, Schutzhütte, WC-Anlage

Die genannten Nutzungen bilden auf einer quadratischen Grundfläche ein Ensemble aus zwei Einzelhäusern und einer waagrechten Plattform, welche sich an den Rändern sanft in das Gefälle einsetzt, d.h. an den Rändern gibt es höhengleiche Übergänge oder ein bis drei Stufen auf- oder abwärts.
Die Grundfläche dieser kleinen Plattform besteht aus Schiefermaterial und die Bauwerke sind aus einem anthrazitfarbig lasiertem Holz-Ständerwerk konstruiert, die Dächer mit Bitumenbahnen abgedichtet.

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