Kirchturm St. Albertus Mainz

Nutzungsart
Bauen im Bestand
Kultur
Städtebau, Urbanität & Landmarks
Projektzeitraum
2015
Typus
Neubau
Status
Wettbewerb/Wbw

Zum Städtebau

Das Grundstück der katholischen Hochschulgemeinde St. Albertus befindet sich an der Kreuzung Saarstraße Doktor-Martin-Luther-King-Weg und liegt damit in unmittelbarer Nähe zur Mainzer Johannes-Gutenberg-Universität. Der zu Beginn der 60-er Jahre erbaute Kirchturm des Sakralbaus gilt als Landmarke für Studierende und kann schon aus der Ferne von Autofahrern auf dem Weg in und aus der Mainzer Innenstadt wahrgenommen werden. Durch den Ausbau der „Mainzelbahn“ erlangt die Funktion als städtebauliche Landmarke nun zusätzliches Gewicht. Der stark baufällige alte Kirchturm kann nicht mehr wirtschaftlich saniert werden, daher muss der Ersatzneubau weiterhin, neben dem profan städtebaulichen Anspruch, auch dem Anspruch eines symbolträchtigen Kirchturms gerecht werden und weiterhin als Glockenturm für die drei Bestands- glocken dienen.

Zur Architektur

Der Entwurf sieht eine leichte aber wesentliche Neuplatzierung des Kirchturms in Richtung Doktor-Martin-Luther-King-Weg vor. Durch diese Verschiebung wird Platz für eine neue Pergola gewonnen, welche die Eingangssituation für das bestehende Ensemble der KHG aus Kirche, Pfar- reiräumen, Studentenwohnheim und Kindergrippe aufwertet und zum Doktor-Martin-Luther-King- Weg erweitert. Die überdeckte Eingangssituation bildet eine neue Außenkante des Gebäudekom- plexes und lädt gleichzeitig zum Verweilen ein. Durch Kirchturm, Pergola und Bestandsgebäude wird vor der Sakristei ein intimer Innenhof als Ort der Ruhe und Einkehr gebildet. Diese dezente Umstrukturierung verleiht der gesamten Hochschulgemeinde St. Albertus eine neue klare Form- sprache.

Zum Kirchturm

Der quadratische Grundriss des Kirchturms hat die Außenmaße von 3.49 m auf 3.49 m. Die neue Höhe von knapp 27.70 m wird durch das Aufeinanderstapeln von ca. 3 m hohen Beton- fertigteilschachtelementen erreicht, die im Werk bereits mit dem vorhandenen Klinker im Stil der Bestandsgebäude verkleidet wurden. Die Glockenstube auf 19.65 m Höhe besitzt zwei Schallfenster in Nord-Süd-Richtung. Das be- stehende Rahmen-Motiv wird in den Schallfenstern aufgegriffen. Sie bilden den Rahmen für die geneigten Pfosten, zwischen denen Schalllamellen montiert werden, die für eine optimale Schall- lenkung und -dämpfung sorgen. Der Abstand der Lamellen ist so zu wählen, dass das Eindringen und Nisten von Tauben verhindert wird. Der Innenraum der Glockenstube wird für eine optimale Schallvermischung in seiner rohen Mate- rialität aus Beton und Ziegelsteinbelassen. Neben der Leiteröffnung im Boden der Glockenstube ist eine weitere verschließbare Wartungsöffnung direkt unter den Glocken vorgesehen, durch die diese hinaufgezogen oder herabgelassen werden können.

Zur Pergola

Genau wie der Kirchturm wird auch die Pergola aus Betonfertigteilen errichtet. Diese werden hin- gegen nicht mit Klinker verkleidet, sondern bleiben in Sichtbeton erhalten. Die Höhe der Pergola wird durch die umliegende Bebauung bestimmt. So verbindet die Pergola nicht nur durch ihre Ma- terialität die verschiedenen Baukörper miteinander, sondern auch durch ihre Höhe. Durch einen Achsabstand von 90 cm der einzelnen Pfosten ist die Pergola genau wie der Kirchturm vertikal gerichtet.

Sowohl Turm als auch Pergola versinnbildlichen durch ihre reduzierte Gestalt den Gedanken einer zeitlosen Eleganz.

Wettbewerbe

2015Wettbewerb Shortlist