Karlsplatz Mannheim

Nutzungsart
Infrastruktur
Städtebau, Urbanität & Landmarks
Projektzeitraum
2013
Typus
Umbau/Erweiterung
Status
Wettbewerb/Wbw

ArGe SYRA_SCHOYERER ARCHITEKTEN und BIERBAUM.AICHELE.landschaftsarchitekten

... eine Laufmaschine, durch Manneskraft getrieben, bahnt sich ihren Weg durch die Ebene. Sanft wogen die Gräser der offenen Wiesen im Wind und die alten knorrigen Bäume spenden dem Radler auf seinem Gefährt im eilenden vorbei etwas Schatten... 

So kann man sich wohl bildhaft die Szenerie vorstellen, als vor ca. 200 Jahren Karl Drais erstmals auf seiner Laufmaschine vom Mannheimer Schloss Richtung Schwetzinger Relaishaus fuhr.

Leitidee/ Gestaltungsthema

Dort, wo einst idyllische Rheinauen ein ruhiges Landschaftsbild prägten, definiert heute der Kartsplatz als wichtiger Verkehrsknotenpunkt das Entree zum Stadtteil Rheinau. Um wieder einen bildhaften Dialog zum Ursprünglichen zu schaffen, knüpfen wir mit dem gestalterischen Leitgedanken an dem Bild der damaligen Landschaft an. ln den nicht verkehrlich genutzten Bereichen, kommen auf leicht modelliertem Gelände großflächig Ziergräser (Stipa calamagrostis Lemperg) mit locker überstellten Baumgruppen (wiederverpftanzte Bestandsbäume sowie Neupflanzungen unter Beachtung der Hochspannungsleitungen) zum Einsatz. Durch dieses "lebendige Pflanzenbild" soll der durch Verkehr geprägte Stadtraum optisch beruhigt werden. Durch jahreszeitlich unterschiedlich geprägte Aspekte (wilde Narzissen im Frühjahr, Ziergräser im Wandel der Jahreszeiten) wird das Gesamterscheinungsbild des Kartsplatzes kontinuierlich über das Jahr immer wieder neu in Szene gesetzt.

Die Metapher hin zur ursprünglichen. idealisierten Landschaft als Reminiszenz, wird durch die Einfassung des Kreisels nach außen durch einen "schwebenden Rahmen" besonders hervorgehoben. Mit Beginn der Dämmerung wird dieser Effekt durch ein im Belag integriertes Lichtband, welches den gesamten Kreisel umschließt, zusätzlich inszeniert.

Die "Wiesenfelder" sind durch ein ca. 20-40 cm hohes Stahlband eingefasst. Hierdurch wird einerseits ein Queren der Flächen erschwert, zudem können Sitzauftagen zum Warten und Verweilen sinnvoll integriert werden.

Bike & Ride

Die bike & ride Anlage der Fa. Ziegler-PEGASUS ordnet sich analog zur Großfigurnach Osten zur Wachenburgstraße hin (in einem herstellungsüblichen Radius von ca. 39,00 m) an. Hierdurch wird eine optimale Stellplatzausnutzung von über 40 Stellplätzen erzielt und zusätzliche Fläche gewonnen um das "Rheinwiesenthema" auch in den nordöstlichen Bereich des Kreisels zu transportieren.

Fahrgastunterstände

Die Fahrgastunterstände werden gem. RNV Standard von der Fa. JCDecaux vorgesehen und sind im Bereich Bus-/ Stadtbahnhaltestelle doppelseitig angeordnet. Ebenso denkbar ist der Einsatz des Prototyps von Netzwerkarchitekten (vergleiche hierzu Tag-/ Nachtperspektive ).

Beläge

Verkehrlieh genutzte Belagsflächen werden in Beton/Asphalt ausgebildet. Die Bahnsteige sowie die ausschließlich fußläufig genutzten Flächen, wie beispielsweise, entlang der bike & ride Anlage oder des Platzes vor der Umspannstation, werden mit Pflaster bzw. Platten ausgebildet. Die Belagsflächen werden in gräulich-anthraziten Farbnuancen untereinander abgestimmt, um somit eine Differenzierung zwischen nur fußläufig genutzten Flächen von Mischflächen kenntlich zu machen.

Ausgleichsbilanzierung

Das Verhältnis von versiegelter zu unversiegelter Fläche bleibt vor und nach der Maßnahme in etwa gleich. Die Ersatzpflanzungen für die zu fällenden Bäume sind auf dem Karlsplatz vorgesehen.

Sonderflächen/Teilflächen (zur Gestaltung freigegeben Flächen)

Die an den Kreisel angrenzenden Sonder- bzw. Teilflächen, werden als ruhige Wiesenflächen mit zweimaliger Mahd vorgeschlagen. Das innerhalb des Kreisels artifiziell umgesetzte Wiesenbild erlangt hierdurch sein natürliches Passepartout.

Beleuchtung

Neben der Eigenbeleuchtung der Haltestellen, bike & ride Anlage sowie derUmspannstation, werden zusätzlich drei Masten angeordnet die über eine additive Anordnung mehrerer Leuchtenkörper verfügen und eine optimale und individuelle Ausleuchtung des Gesamtraumes gewährleisten. Ihr, sich nach oben verjüngendes, leicht geschwungenes Design, erinnert an überdimensionale Grashalme und integriert sich somit wie selbstverständlich in die Gesamtgestattung.

Hochbau

Der Gebäudebestand Gleichrichterwerk/Trafogebäude wird gemäß Raumprogramm mit dem Schaffner-Aufenthaltsraum mit WCs und einem öffentlichen WC erweitert. Das Walmdach wird abgetragen und die Gesamtkubatur wird mit einer neuen Attika architektonisch zusammengefasst. Diese Attika wird in Anlehnung an die Wartehallen von Netzwerkarchitekten über dem vorgelagerten Zugangsbereich kubisch erhöht, so dass dieser Vorbereich für die Nutzer eine innenräumliche Wirkung erhält. Darüber hinaus bildet diese Dachüberhöhung auch stadträumlich eine prägnante Figur.

Betriebsgebäude gehören zur technischen Infrastruktur einer Stadt. Oft werden diese ohne jeglichen Gestaltungsanspruch erstellt, in der kurzsichtigen Annahme, somit wirtschaftlicher zu Bauen. Diese belanglosen Gebäudehüllen stellen oftmals Keimzellen für Verwahrlosung und Vandalismus dar und verursachen auf Dauer stetig Renovierungs-, bzw. Reinigungskosten, ohne jemals eine tatsächliche Qualität zu erreichen. Aus der bei zahlreichen Verkehrsarchitekturen gewonnenen Erfahrung, dass mit entsprechender Oberflächenausbildung Vandalismus vorgebeugt werden kann, schlagen die Verfasser auch beim Projekt Karlsplatz in Mannheim wie folgt eine nachhaltige Gestaltung vor:
Der massive Gebäudekern wird monochrom im Farbton "Verkehrsorange RAL 2009" eingefärbt und erhält im Abstand von 11 cm eine im Wartungsfalle abnehmbare Gitterrostfassade aus feuerverzinktem Stahl. Diese tiefe Fassade stellt für Graffiti und Wildplakatierung nachhaltig einen ungeeigneten Untergrund dar.
Die Gitterrostfassade besteht aus Einzelflächen mit unterschiedlichen Tragstababständen. Daraus ergeben sich unterschiedliche Transparenzen, d.h. je nach Blickwinkel tritt die Farbigkeit des Gebäudekerns hervor.
So wie die OP-Art (optische Kunst: V. Vasarely, J .R. Solo, G. Uecker, etc.) in den 60er Jahren den Betrachter direkt in die Bedeutung des Kunstwerkes integrierteder Betrachter erhält kein fertiges Bild, sondern wird mit einer Situation konfrontiert, die seine Reaktion erforderlich macht - so machen die Architekten sich den Bewegungsfluss des Betrachters zunutze, welcher als Verkehrsteilnehmer und somit in Bewegung, das Gleichrichterwerk niemals als statisches Bild oder Objekt sieht. Vielmehr bietet sich dem Betrachter eine Folge von Kontrastwechseln, durch welche der monochrome Kubus unterschiedlich intensiv hervortritt.

Wettbewerbe

2013Shortlist / Stadtraum - Wettbewerb