Haltestelle Konstablerwache Frankfurt am Main

Nutzungsart
Barrierefreiheit
Bauen im Bestand
Infrastruktur
Städtebau, Urbanität & Landmarks
Projektzeitraum
2010
Typus
Neubau
Status
Wettbewerb/Wbw

Statik: osd - Office for Structural Design, Frankfurt

Der Nahverkehrsknotenpunkt Konstablerwache wird täglich von über 200.000 Fahrgästen genutzt und die Platzfläche Konstablerwache liegt an der Zeil, einer der publikumintensivsten Einkaufsmeilen Europas. Durch die Verbreiterung der beiden Bahnsteige der Bus- und Straßenbahn Haltestelle Konstablerwache wird eine barrierefreie und ausreichend dimensionierte Aufstell- und Mobilitätsfläche für die große Anzahl von Ein- und Aussteigern gewährleistet. Die Bahnsteige werden auf jeweils 57m verlängert, um sicherzustellen, dass zwei Straßenbahnen gleichzeitig hintereinander halten können. Daraus wird die Aufgabenstellung von Wartehallen mit einer markanten Länge von 45,00 m abgeleitet.

Zur gewählten Form:

Vor dem Hintergrund der besonderen Lage in der Stadt, der hohen Publikumsfrequenz und den besonderen Bahnsteigabmessungen war es für die Verfasser unabdingbar dem Thema einen skulpturalen und variierenden/dynamischen Ausdruck zu verleihen. Daher wurde eine architektonische Form gewählt, welche auf einer Länge von 45m eben dieses Spiel von ankommenden, wartenden und abfahrenden Zügen interpretiert, formal und konstruktiv umgesetzt durch das Falten und Strecken der Wartehallenrückwände. Die Wartehallenrückwände beginnen, synchron zur Dynamik der an- und abfahrenden Züge, an der Rändern relativ gestreckt und zur Wartehallenmitte verdichten sich die Faltungen der Rückwände, analog dem Abbremsen und Innehalten der Züge, bis diese wieder an Fahrt und Dynamik aufnehmen und sich parallel die Rückwände wieder strecken… 

Zum Tragwerk/zur Architektur:

Die Faltungen sind nicht nur ein gestalterisches Element, sondern sie stellen auch die wesentlichen Elemente des Tragwerkes dar, denn das Tragwerk wird als flächenaktives Faltwerk aus Stahlblechen ausgebildet, welches seine Biegesteifigkeit nicht allein durch die Materialdicke bezieht, sondern gezielt die geometrische Steifigkeit durch Faltungen und Verdrehungen der Stahlbleche aktiviert. Tragwerks- und architektonisches Konzept greifen eng ineinander. Je nach Verdrehung der Grundmodule wird einerseits eine dynamische Transparenz erreicht und andererseits die Stabilisierung der Gesamtstruktur sichergestellt. Das entworfene Tragwerk zeichnet sich durch eine effiziente Montage und große Wirtschaftlichkeit aus. Die einzelnen Module sind auf Transportgröße abgestimmt. Diese werden vorgefertigt auf die Baustelle geliefert und an wenigen Punkten vor Ort gefügt. Die transparenten Flächen beziehen durch die Drehung der Grundmodule eine dynamische Abfolge und werden als Ausführungselemente in die Faltstruktur integriert. Die Konstruktion beschränkt sich somit auf ein Mindestmaß an Material und Bauteilen - ohne die übliche Rezeptur von Pfosten, Kragarm und Ausfachung.

Zur Konstruktion/zu den Materialien/zu den Oberflächen:

Das Flächentragwerk besteht aus Stahlblechen (Edelstahl oder Kupfer-, Messinglegierung) als Sichtflächen. Die Dachflächen entwässern direkt über die Kehlen in Bodenrinnen. Jedes dritte Deckenfeld und die Stirnseiten werden als Volumen ausgebildet, mit Lichtflächen als Untersichten und (je nach Erfordernis) mit eingebauten Lautsprechern Die Lichtflächen und die transparenten Flächen der Wartehallenrückwände werden mit ESG-Flächen geschlossen, die Glasecken werden geklebt. In den Wartehallen werden jeweils an den Stirnseiten das Informationssystem (Fahrgast-informationsvitrine, akustischer DFI-Ansage-Taster) und die Fahrkartenverkaufsautomaten (mit Aufmerksamkeitsfeld im Bodenbelag) integriert. Das dynamische Fahrgastinformationssystems (DFI) befindet sich gut einsehbar mittig unter dem Hallendach, mit einer lichten Durchgangshöhe von über 2,50m. Entlang der Wartehallenrückwand reihen sich Sitzgelegenheiten und zur Wartehallenmitte bilden sich durch die zunehmende Faltung der Rückwände windgeschützte Nischen. Die Fahrleitungsmasten lassen sich zwischen Wartehallenrückwand und Fahrbahnkante in den durch die Verdrehung der Hallenrückwand entstandenen Nischen unterbringen. Zwischen den Wartehallenstirnseiten und den signalisierten Fußgängerüberwegen dienen eingespannte Ganzglasbrüstungen als Absturzsicherung zum Fahrbahnrand. Die Bahnsteige erhalten durchgängig ein normiertes Blindenleitsystem. Bei sämtlichen Oberflächen und konstruktiven Lösungen ist eine leichte Reinigung möglich, z.B. werden die Glaselemente mit einem Selbstreinigungseffekt vorgesehen.

Wettbewerbe

2010Gutachterverfahren - 2. Platz