Brücke Städtisches Klinikum Karlsruhe
In Zusammenarbeit mit LAP-Consult, Stuttgart
ENTWURFSIDEE
Um das Kostenziel einzuhalten und gleichzeitig nicht nur die funktionalen Anforderungen, sondern auch ein für die Öffentlichkeit ansprechendes Tragwerk, realisieren zu können, war ein innovativer Ansatz erforderlich, maßgeschneidert für diese nicht alltägliche Aufgabenstellung.
In einer Zeit stetig steigender Baukosten bedarf es einer Rückbesinnung auf diese wesentlichen Anforderungen. Einfachheit, Minimalismus und Funktionalität sind daher die Grundpfeiler der hier dargestellten Tragwerkslösung.
STÄDTEBAU
Die geplante Brücke soll die Hubschrauber-Landeplattform, bzw. das städtische Klinikum Karlsruhe, mit der benachbarten Helios-Klinik auf der gegenüberliegenden Straßenseite verbinden. Es handelt sich somit um keine übliche Brückenverbindung, welche zwischen zwei Stadtquartieren zum Promenieren einlädt, sondern um eine funktional notwendige Konstruktion, welche die kürzeste Verbindung für Notfälle darstellt. Dennoch kommt, wegen der innerstädtischen Lage, dieser neuen Verbindung auch eine stadtraumprägende Bedeutung zu. Unter Berücksichtigung dieser unterschiedlichen Anforderungen schlagen die Verfasser eine Architektursprache vor, welche dieses Sonderthema von Brückenverbindungen mit folgenden Merkmalen bedacht umsetzt.
KONSTRUKTION, MATERIALIEN UND ARCHITEKTUR
Tragwerk und Formgebung
Als naheliegende statische Lösung wird für die Brücke eine Rahmenkonstruktion aus Fachwerkbindern gewählt. Aufgrund der Erfordernis einer geschlossenen Decke ergeben a priori nur obenliegende Tragwerke Sinn, so dass die in jedem Fall erforderliche Bauhöhe sinnvoll genutzt werden kann. Hierbei sind Fachwerke weiterhin eins der statisch effektivsten und daher wirtschaftlichsten Tragsysteme. Das Besondere an der gewählten Fachwerkkonstruktion ist jedoch das gezielte Abknicken der Konstruktion, das seitliche Versetzen im Bereich der Diagonalstäbe und das höhenmäßige Versetzen der Obergurte - jeweils an den (aus unterschiedlichen Gründen) erforderlichen Stellen. Auf diese Art und Weise ergibt sich eine idealtypische Symbiose aus statischen Gegebenheiten und architektonischer Form.
Abknicken und Wegeführung
In einem ersten Schritt knickt die Rahmenkonstruktion im Bereich des Treppenturms an der Heli-Plattform ab, um dem Steg - in Bezug auf die Bestandsbäume (es müssen nur die beiden ausgewiesenen Platanen gefällt werden) - einen kollisionsfreien Verlauf zu sichern. In einem zweiten Schritt knickt die Rahmenkonstruktion über der Fahrbahn ab und der Steg erfährt eine leichte Richtungskorrektur. Diese Knickpunkte sind beidseitig des Stegs an bestimmten Fachwerk-Diagonalstäben so gewählt, dass hier ein Wechsel von vertikaler Fassade zu schräggestellter Fassade erfolgt. Die vertikalen Fassadenanteile erhalten eine dichtere Membranstruktur und durch die an den Knickstellen entstandenen Dachüberstände kann die darunterliegende Membranstruktur weniger dicht, d.h. mit einer gewissen Transparenz, gewählt werden.
Stützenstellung und Abtragung von Lasten
Die Auflagerpunkte für den Steg wurden auf ein Minimum reduziert. Im Bereich der Helikopterplattform wird der unmittelbar anschließende Treppenhausturm als Auflagerpunkt gewählt, sodass auf dem Grundstück des Städtischen Klinikums keine Auflagerpunkte notwendig werden und somit nicht nur die Ausfahrt für Einsatzfahrzeuge stützenfrei bleibt, sondern auch kein Eingriff in die Parkflächen erforderlich ist. Erst jenseits der Franz-Lust-Straße, noch hinter der Achse der Alleenbäume an der Grundstücksgrenze der Helios-Klinik, reicht ein Stützenpaar (auf einem flachgegründeten Streifenfundament) aus, sodass die Steg-Fachwerkkonstruktion bis an die Klinik-Fassade auskragen kann. Um die Steifigkeit der Konstruktion zu erhöhen erfolgt nach Herstellung des Stegs (das Eigengewicht wird nur von Abhängung und Stützenpaar aufgenommen) eine kraftschlüssige Verbindung mit der Fassade der Helios-Klinik, dies erhöht die Steifigkeit gegenüber Schwingungen enorm, obwohl nur geringe Lasten aus Verkehr in die Fassade eingeleitet werden müssen. Die Eigenfrequenzen, sowohl horizontal als auch vertikal, liegen so außerhalb des kritischen Bereichs.
Stegausbildung und Anbindung Treppenturm, bzw. Klinik-Fassade
Die Verfasser empfehlen für die Ausbildung des Treppenhaus-/Aufzugsturms an der Heli-Plattform (gehört NICHT zur Wettbewerbsaufgabenstellung) einen Aufzug als Durchlader. Über diesen wird ein direkter, höhengleicher/barrierefreier Patiententransport von der Landeplattform auf die erforderliche Höhe (124,13 müNN = OKFB 2.OG Klinik) sichergestellt. Das Mindest-Durchgangsprofil der Stegverbindung beträgt an der engsten Stelle 2,60 m x 3,00 m. Entlang der Seitenfassaden verlaufen beidseitig Handläufe und Rammschutz (Kniehöhe bzw. Sockelbereich). Der Fußboden erhält einen Kautschuk-Belag und auf der Rückseite des sockelartigen Rammschutzes werden Steckdosen installiert. Die Holorib-Decke bleibt unverkleidet, notwendige Medienführungen und BMA werden auf Pritschen geführt, die erforderliche Beleuchtung (mit Präsenzmelder) erfolgt über abgehängte LED-Leuchten.
Transparenz und Schleier
Es liegt in der Natur der Aufgabenstellung, dass ein notfallbedingter Patiententransport von der Hubschrauberplattform in die Klinik, nicht direkt einsehbar durchgeführt werden darf. In diesem Sinne schlagen die Verfasser nur stellenweise semitransparente Fassadenanteile in versetzter Anordnung vor. Für Außenstehende stellen sich die Bewegungsabläufe auf der Brücke nur schemenhaft dar. Die hier gewählte Membranfassade zeigt sich im besten Sinne als Schleier und die Diskretion bleibt somit gewahrt. Über diesen Sichtschutz hinaus bietet die Membranfassade auch einen zuverlässigen Wetterschutz (Regen-, Wind-, Sonnenschutz) und eine natürliche Belüftung.
Architektur und Figur
Durch das feine Spiel von Auflagerung (Stützen), Abhängung (Treppenturm) und „Anlehnen“ (Klinikfassade) bekommt der Steg eine elegante und ausbalancierte Anmutung als Bindeglied zwischen den unterschiedlichen Bauteilen. Und infolge der beschriebenen Transformation der membranverkleideten Fachwerkkonstruktion stellt sich die Stegverbindung aus vielen Blickwinkeln als dynamische Figur dar, deren Oberfläche (auch bei Dunkelheit und Hinterleuchtung) ein attraktives Changieren von Transparenz und Transluzenz vermittelt. Die Außen- seiten der Membran sind mit Rottönen versehen und die Innenflächen weiß beschichtet.
Montage
Stahlfachwerkträger zeichnen sich durch einen hohen Vorfertigungsgrad aus. Es kann davon ausgegangen werden, dass der Steg in einem Teil über Franz-Lust-Straße und S-Bahn Trasse eingehoben werden kann, Sperrzeiten werden somit auf ein absolutes Minimum reduziert. Die Holorib-Bodenplatte folgt diesem Gedanken und ist so dimensioniert, dass das Blech als Schalung dient und bauzeitliche Unterstützungen nicht erforderlich sind.
Baukosten und Wirtschaftlichkeit
Die gewählten Baukonstruktionen und Baustoffe sind nicht nur hinsichtlich der Anschaungs- und Montagekosten sehr wirtscha$lich, sondern auch hinsichtlich Ihrer Dauerhaftigkeit, Betriebs-, Wartungs- und Unterhaltungskosten nachhaltig klug gewählt. Alle tragenden Bauteile sind jederzeit leicht zugänglich, denn die Membranflächen lassen sich ohne großen Aufwand abnehmen und wieder einsetzen. Der Großteil der Konstruktion besteht zudem aus Stahl, dem einzigen Material, welches verlustfrei immer wieder recycelt werden kann.
DESIGN CONCEPT
To meet the cost targets while simultaneously fulfilling not only the functional requirements but also creating a visually appealing structure for the public, an innovative approach was required, specifically tailored to this unique challenge.
In an era of steadily rising construction costs, it is necessary to return to these essential principles. Simplicity, minimalism, and functionality are therefore the core pillars of the structural solution presented here.
URBAN CONTEXT
The proposed bridge is intended to connect the helicopter landing platform of the Karlsruhe City Hospital with the neighboring Helios Clinic across the street. This is not a typical pedestrian bridge between two city quarters but a functionally necessary structure providing the shortest route for emergency operations.
Nevertheless, due to its central urban location, the new connection carries a significant impact on the cityscape. Considering these differing requirements, the authors propose an architectural language that thoughtfully addresses this special type of bridge connection with the following characteristics.
STRUCTURE, MATERIALS, AND ARCHITECTURE
STRUCTURAL SYSTEM AND FORM
A truss frame is selected as the most suitable structural solution. Due to the need for a closed deck, only top-mounted structures are viable, allowing the required structural height to be utilized efficiently. Trusses remain one of the most structurally efficient and therefore economical load-bearing systems.
What is distinctive about this truss design is the intentional kinking, lateral offsets of the diagonal members, and vertical adjustments of the top chords—each at locations dictated by functional or architectural requirements. This results in an ideal symbiosis of structural logic and architectural form.
KINKING AND PATH ALIGNMENT
In the first step, the truss frame kinks near the staircase tower at the heli-platform to provide a collision-free path relative to existing trees (only two designated plane trees are to be removed). In the second step, the frame kinks above the roadway, creating a slight directional correction for the bridge.
These kink points are positioned on specific diagonal members so that the façade transitions from vertical to sloped. Vertical façade sections feature a denser membrane structure, while roof overhangs at the kink points allow the membrane below to be more open and semi-transparent.
SUPPORTS AND LOAD TRANSFER
Bridge supports are minimized. At the helicopter platform, the adjacent staircase tower serves as a support, eliminating the need for supports on the City Hospital site, keeping emergency vehicle access free and avoiding interference with parking areas.
Beyond Franz-Lust-Straße, a pair of supports on shallow strip foundations is sufficient, allowing the truss to cantilever to the Helios Clinic façade. To increase stiffness, the bridge is later rigidly connected to the clinic façade, significantly reducing vibrations while introducing only minimal traffic loads. The natural frequencies, both horizontal and vertical, remain outside the critical range.
BRIDGE DECK AND CONNECTION TO STAIR TOWER / CLINIC FACADE
The staircase/elevator tower at the heli-platform (not part of the competition brief) is designed with a through-loading elevator, ensuring level, barrier-free patient transport from the landing platform to the required height (124.13 m above sea level = 2nd floor clinic).
The minimum clearance profile of the bridge is 2.60 m × 3.00 m. Handrails and impact protection run along both sides, with rubber flooring. Electrical outlets are integrated behind the knee-height protective panels. The Holorib deck remains exposed; utilities and fire alarm systems are routed on trays, and suspended LED lights with motion sensors provide illumination.
TRANSPARENCY AND PRIVACY
Due to the nature of emergency patient transport, movements on the bridge must not be directly visible. Semi-transparent membrane panels are used selectively and offset, creating a “veil” effect: movements are only vaguely visible to outsiders. The membrane façade also provides weather protection (rain, wind, sun) while allowing natural ventilation.
ARCHITECTURAL EXPRESSION
The careful interplay of supports, suspensions, and the connection to the clinic façade gives the bridge an elegant, balanced appearance as a link between different structures. The transformed membrane-clad truss presents a dynamic figure from many angles, with surfaces that convey a changing play of transparency and translucency—even at night with backlighting. The exterior membrane is colored in shades of red, while the interior surfaces are coated white.
ASSEMBLY
Steel trusses allow a high degree of prefabrication. The bridge can be installed in sections over Franz-Lust-Straße and the railway, minimizing required closure times. The Holorib deck acts as its own formwork, eliminating the need for temporary supports.
COST AND ECONOMY
The selected materials and construction methods are cost-effective both in terms of visual quality and assembly, and sustainable regarding durability, operation, maintenance, and lifecycle costs. All structural components are easily accessible; the membrane panels can be removed and reinstalled without difficulty. The majority of the structure is steel, a material that can be recycled indefinitely without loss of quality.
Wettbewerbe
| 2020 | Shortlist / Brückenbau - Wettbewerb |

















